Boscaille oder ZHS mit einem HD - Hund

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Unterwegs auf dem Kurirsleden/SWE

Immerwieder lese ich, dass man leider keinen Zughundesport machen kann, weil der Hund HD hat .... wenn ich dann von Boscaille erzähle, kommt früher oder später immer irgendjemand um die Ecke, der einen, mal mehr mal weniger direkt als Tierquäler betitelt, weil man einen Hund mit so einem Befund laufen und ziehen lässt. 

Im Folgenden möchte ich daher MEINE persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema schildern.

 

Als ich 2010  in der Tierklinik das Behandlungszimmer betrat, fiel mein Blick logischerweise als erstes auf den Leuchtschirm, an den die Röntgenbilder meines Hundes gepinnt waren. Das war schließlich Sinn und Zweck dieser Aktion: routinemäßiges Röntgen von Hüfte und Ellbogen, bevor wir im Sport so richtig durchstarten wollten. Doch ein Blick genügte um meine Pläne mit diesem Hund über den Haufen zu werfen...

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Die rechte Hüfte war eindeutig Schrott, und zwar so dass ich von vornherein auf ein Obergutachten verzichtete. Der Arzt, der die Aufnahmen gemacht hat und selber Gutachter ist, meinte das wäre eine D Hüfte (Klassifizierung: A - frei, B - Übergang, C - leichte HD, D - mittlere HD, E - schwere HD).  Doch was macht man mit einem 24 Monate altem Malinois, der vor Energie nur so sprüht? Sprünge, aprupte Stops, enge Wendungen, fast alles was der Hund im VPG  zeigen muss, war von einen auf den anderen Moment tabu. Glücklicherweise bietet das Internet in solch einem Fall eine Unmenge an sinnvollen und weniger sinnvollen Tips und Tricks. Die erste Aktion war der Kauf einer Großpackung Grünlippmuschelextrakt - eines der wenigen Dinge die ich auch nach 6 Jahren hin und wieder als Kur verabreiche. Glücklicherweise hielten sich die Symptome zu Beginn auch noch in Grenzen, hin und wieder hatten wir eine Lahmheit, doch nach maximal drei Wochen war das gegessen. Ich brachte dem Hund das Schwimmen bei (das konnte sie nämlich nicht) und versuchte so die Muskulatur zu stärken, um das Gelenk zu unterstützen. Auslastungsmäßig verlegten wir uns, neben den normalen Spaziergängen und gelegentlichen Wanderungen, auf eher ruhigere Dinge wie Fährtenarbeit und Obedience  - doch so richtig fesseln konnte es uns beide nicht. 

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Boscaille (vorn) von Görlitz in die Normandie 2012

2012 war dann mit Vereinshundesport eh erstmal Schluss - eine lang geplante Wanderung durch Westeuropa stand an. Mit Hunden und Packpony Egon zogen wir einmal quer durch Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nordfrankreich. Ich hatte vorher ziemlichen Bammel wegen Boscaille. Was wenn auf der Wanderung irgendwo im Nirgendwo Probleme auftreten? Doch glücklicherweise bekamen wir keine - im Gegenteil: täglich mehrere Stunden ruhiger Bewegung schienen ihr gut zutun.

Als wir im Herbst zurück in Deutschland waren - traten jedoch nach und nach wieder Lahmheiten auf. Ich las viel im Netz und stieß irgendwann auf die Info, dass sich Zugarbeit gut zur Kräftigung der Hinterhandmuskulatur eignet. Ok, das hatten wir noch nicht probiert und es hörte sich zudem nach Spaß für alle Beteiligten an.

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erste Versuche mit selbstgebautem Equipment

Zuggeschirre waren schnell bestellt. Aus einem alten Gummiexpander und etwas Kletterseil war auch schnell eine Ruckdämfperleine gebaut und so zockelten wir zu Anfang durch die Gegend. 
Irgendwann schrieb mich Manty, eine ehemalige Mitstreiterin vom Hundeplatz, an - sie würde immermal mit so einem Typen aus Leipzig, der seinen Hund vor so eine Art Riesenroller spannt, durch die Gegend fahren. Das wäre ein Riesenspaß und das Equipment könne man sich recht günstig leihen. Bei der nächsten Tour waren wir natürlich dabei und es war kein Vergleich zu den Runden mit meinem alten Baumarktfahrrad. Bald hatten wir unseren eigenen Roller und die Runden wurden größer - Lahmheiten gab es ab da nicht mehr. 

Wenn man für eine Sache Feuer gefangen hat, beginnt man logischerweise sich tiefer mit der Materie zu befassen. Das Training wurde strukturierter, lag bei uns aber immer eher auf Strecke, als auf Geschwindigkeit. Ich wollte, dass meine Hunde in einem gleichmäßigem Trab den Trail bewältigen.

Auf einer dieser Touren lernte ich dann Anja kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb super. Ab da waren wir oft zu zweit unterwegs und machten die Gegend um Leipzig unsicher. Die Touren wurden dabei länger und länger. Im Dezember 2014 fuhr ich mit meinem Team dann eine Distanz von 72 km an einem Wochenende. Boscaille steckte das super weg, doch die Stimmen aus meinem Umfeld, wie ich meinem gelenkkranken Hund solche Belastungen zumuten könnte, wurden lauter.

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auf zur Knorrhütte/Zugspitz DT

Das Argument, dass dieser "arme" Hund seit zwei Jahren keinerlei Symptome mehr zeigte, brachte diese Stimmen jedoch nicht zum verstummen. Ab Anfang 2015 waren wir dann wieder mehr zu Fuß unterwegs. Das Zugspitz Dogtrekking als großes Ziel lag der Fokus erstmal auf Langdistanz - Zughundwandern. Die Vorteile dieses tollen Teamsports erschlossen sich mir recht schnell. Man hat beide Hände frei, den Kopf auch, da man nicht ständig nach Häschen oder Rehlein und/oder den Hunden schauen muss, bergauf ist man deutlich schneller und die Einstellung zur Leinenführigkeit ändert sich enorm. 
In Folge unserer Vorbereitung waren wir also immer öfter und immer länger unterwegs. Kurz vor dem Zugspitz Dogtrekking stellte ich den Hund einer Tierärztin/ -physiotherapeutin vor und zeigte ihr das alte Röntgenbild. Sie konnte gar nicht glauben, wie beweglich die Hündin, mit diesem Befund und in einem Alter von 7 Jahren, in der Hüfte war. Wir hatten also grünes Licht:

 

- am 28.06.2015 legten wir in 18 h den Panoramaweg Schwarzatal (80 km) zurück

- am 19.07.2015 finishten wir nach 24 h und 20 min das Zugspitz Dogtrekking 
- am 30.07.2015 knackten wir die 100 km Marke bei der Umrundung Oberwiesentals in 22 h

uvm.

Boscaille läuft und läuft und läuft... bis Weihnachten 2015 war alles gut. Dann konnte ich sehen was passiert, wenn der Hund nicht mehr ziehen darf, sondern nur noch das mir so oft empfohlene HD - Krankenprogramm absolviert: kurze Spaziergänge und ja keine Gewaltmärsche und Kopfarbeit...

 

Auf einer Wanderung brach ich mir den Knöchel und wir alle hatten Zwangspause. Die Hunde mussten sich mit normalen Gassirunden von 1 - 1 1/2 h täglich ohne Zugarbeit abfinden.

 

Nach 2 Wochen setzte meine Hündin den rechten Hinterlauf nicht mehr auf und hopste nur noch auf drei Beinen umher, die Schmerzmittel vom Tierarzt änderten das Gangbild nur unwesentlich. 4 Wochen nach dem Bruch hatte mein Hund hinten rechts quasi keinen Muskel mehr. So konnte das nicht weiter gehen. Langsam wurde ich auch wieder fit und sie kam wieder ins Geschirr.

 

An den schwachen Hinterlauf bekam sie ein leichtes Gewicht. So trainierten wir uns über 14 Tage langsam wieder hoch. Nach längeren Passagen zeigte sie aber noch immer Lahmheit und ein starkes Zittern im rechten Hinterlauf. Unsere erste Wanderung stand vor der Tür und ich war mir sehr unsicher, ob ich ihr diese Anstrengung schon zumuten könnte.

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Doch Schonen war definitiv der falsche Weg, also ging ich zum Tierarzt , holte ihr ein stärkeres Schmerzmittel und spannte sie auf einer 25 km Runde ein... an dem Tag trat das Zittern noch gelegentlich auf, doch schon 7 Tage später konnte ich die Tabletten weglassen. Wir steigerten uns in den folgenden Wochen sukzessive. 13 Wochen nach meinem Unfall steht eine 60 km an und Boscaille? Die läuft und läuft und läuft wieder :-)

 

In diesem Text schreibe ich von meinen eigenen Erfahrungen - für mich und meinen HD - Hund ist es der optimale Weg. Das alles kann bei einem anderen Hund aber ganz anders aussehen. Mich würden eure Erfahrungen zu diesem Thema daher sehr interessieren ... 

 

Caro 

 

Update Saison 2016
Krusnohorsky DT, Hochkönig II (GoldEdition), Dachstein DT, Zugspitz DT, Schneeberg DT ca. 400 DT Kilometer mit 16 000 hm und unzählige Trainingskilometer ist sie gegangen. Wir freuen uns auf die kommende Saison 2017! Am 20.4. wird sie 9 Jahre alt :-)

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Kommentare: 1
  • #1

    Jacqueline (Sonntag, 10 Dezember 2017 16:33)

    cooler Beitrag, danke fürs Mut machen!Wir starten jetzt auch trotz Hd etc. �

    Alles Gute Euch!