Ein Gackisackerl wird euch führen... - Tösstaler Gipfelstürmer 2017

von Caro

 

50 km - 2500 hm - 10 h 45 min

 

 

Ich war ja noch nie in der Schweiz fiel mir an der Grenze auf. Alex auch nicht. Seit sechs Stunden fuhren wir bereits und näherten uns dem Ziel - Saland im Tösstal/Züricher Oberland. Das Navi und Google Maps zeigten eine seltsame Diskrepanz in der Ankunftszeit an - einmal 22 Uhr und einmal 23 Uhr. Die Kilometerzahl beider Geräte nahezu identisch. Hmmmm. Nach eingehender Recherche stellte sich heraus, einmal gings über die Autobahn und einmal nicht. Der Haken war die Maut. Da wir eh noch tanken mussten, steuerten wir eine Tank und Vignettenvergabestelle an. Für die Schweiz kann man eine günstige Jahresvignette für schlappe 37 Euro erstehen. Allerdings nur die. Nix da mit zehn Tages Touriplakette - für eine Zeitersparnis von zwei Stunden war uns das einfach zu teuer. So gurkten wir am Bodensee entlang und erfreuten uns an der stellenweise doch recht putzig anmutenden Schreibweise, der am Autofenster vorüberziehen Werbeschilder. Gegen halb zwölf fuhren wir auf den Campingplatz und retteten auf der Abendgassirunde noch einen Feuersalamander von der Straße vor dem sicheren Tod durch überfahren werden. Gutes Karma sammeln für den nächsten Tag. 

Jasmin saß unter einem Vordach an der Anmeldung und war voll beschäftigt mit sich aufgekratzt, gelangweilt den Ar.... abzufrieren. Wir quatschten uns fest und erfuhren von den ersten lustigen Trailstorys. Lukas hatte die Karte verloren, Martin wartete irgendwo am Trail auf Bernd um dem eine neue Karte für Lukas mitzugeben. Was kurioserweise auch genauso geklappt hat obwohl Bernd nix von dem Plan wusste und erst neun Minuten vor Mitternacht (bis dahin wollte Martin warten) aus einem völlig anderem Weg auf den Abfangpunkt traf....

 

Wir hatten uns entschieden nur den Hike in Angriff zu nehmen und spekulierten auf ein entspanntes Wochenende mit Freunden. Unsere Startzeit legten wir auf "naja so etwa gegen sechs" fest. Um zwölf startete eine Schweizerin aufs Trekking - urkorrekt hatte sie 10 Minuten still neben uns auf der Bank ausgeharrt bis das offiziell ausgeschriebene Startfenster begann. Jasmin kommentierte das nur trocken mit : Schweiz halt. Kurz darauf gingen die MundMs aka Maria und Martina auf die 90 km Freakshow Strecke. Ein wenig Wehmut kam da schon auf, doch Jasmin versicherte dass der Hike auch wunderschön ist. Martin kam von seiner Berndsuchaktion zurück: Mission erfolgreich zu Ende Wir verkrümelten uns ins Bett.

Halb sechs klingelte der Wecker und wir machten uns fertig. Holten die Karte und unsere Startzeit wurde notiert. 6:20 - fast pünktlich. Doch erstmal mussten wir uns orientieren, das dauerte eine Weile. Dazu gabs leckeren Kuchen. Jasmin wollte unsere Startzeit schon korrigieren, doch das Ganze sollte ja nicht in Stress ausarten. Wir holten also die Hunde und starteten kurz nach halb sieben auf den Trail, der uns zuerst einmal entlang der Töss führte. Am ersten Abzweig diskutierten wir eine Weile und mussten ein wenig hin und her laufen bevor wir den richtigen Abzweig fanden. Ein Singletrail führte uns bergauf. Am Anfang hing an einem Baumstumpf ein motivierendes Schild für Hike, DT und Freakshow wie weit es noch ins Ziel ist... das gab uns den Rest Sicherheit, das ist der richtige Weg. Am ersten Gehöft das wir passierten kam uns aus dem Tal ein großer Haufen Tourer entgegen. Wir fielen in einen kurzen Lauf und ließen sie hinter uns. Das war dann doch ein bisschen arg kuschelig. Der nächste Abzweig war nicht so einfach zu finden und führte über eine Kuhweide wieder ins Tal, um direkt im Anschluss an einem Wasserlauf entlang wieder bergan zu gehen. Die Felsen, bzw ist es eher ein Konglomerat (zusammengebappter Dreckhaufen) bildet hier in Kombination mit dem Wasser die verrücktesten Formen heraus. 

Kaum erreichten wir wieder zivilisiertes Gebiet musste Boscaille kacken. Im Wald geht das irgendwie nicht. Bis dahin standen ungefähr alle 20 m Tütchenspender plus Mülleimer herum. Die schweizer Kacktütchen Infrastruktur ist wirklich vorbildlich, wobei die folgenden Kilometer da eine Ausnahme bildeten. ich durfte Gackisackel schleppen. Kilometer um Kilometer, alle Versuche das Teil ala "Halt mal kurz ich muss mal dies oder jenes" Alex unterzujubeln scheiterten kläglich. Der erste Checkpoint war meine Hoffnung. Es klang nach Ausflugsziel und dort gibts ja oft einen Mülleimer. Aber Fehlanzeige. Sitzgelegenheiten  und eine schicke Höhle ja aber mehr auch nicht. Kurz darauf war eine Feuerstelle ausgeschrieben, doch auch dort suchten wir vergebens. Unser Abstecher führte uns allerdimgs in einen Tobel, ein halbrund aus dem Fels gewaschene Höhle. Da hat uns das Gackisackl doch tatsächlich zu etwas sehr schönem geleitet wo wir ohne dran vorbei gegangen wären!

 

Am folgendem Abzweig trafen wir dann auf Christians Opfer. Eine Frau mit Chihuahua kauerte am Rand und sah etwas hilflos aus. Wir fragten nach ob wir irgendwie helfen könnten, doch sie verneinte, sie hätte ihre Brille verloren und der Ersatz war gerade unterwegs.

Nun denn wir verabschiedeten uns und gingen wieder in einem Flusstal bergauf. Hier endlich konnte oder musste ich mich vom Kacktütchen trennen. Das Höhenprofil hatte im ersten Moment sehr nett ausgesehen doch es war fies. Die Steigungen fingen sanft an, wurden steiler und steiler und wenn man glaubte man war oben, kam nochmal ein kurzes letztes Stück mit einem gefühlten Anstieg von 90 ° ... EKG Wandern vom Feinsten.
Wald, Wiese, Berg. Es ging sehr abwechslungsreich zu in der Schweiz. Auf dem Weg zum Hörnli verfehlten wir einen Weg und gingen stattdessen über einen Singlrtrail bergab. Der Weg war sehr schön aber leider auch sehr falsch. Wir waren allerdings nicht die einzigsten Orientierungsdeppen und bereits nach 200 m kamen uns zwei Damen entgegen, ebenfalls auf dem Hike unterwegs und keuchten etwas von: da runter, falsch. Ok super. Wir bedankten uns, dass sie uns den Abstieg erspart hatten, orientierten uns neu und schlugen den Weg zum Hörnli via Tanzplatz (2. Checkpoint) ein. Hier kamen uns jetzt ziemlich viele andere Teilnehmer entgegen, was einige sichtlich verwirrte ^^

An einem Weidezaun machte Maxl Bekanntschaft mit dem Weidezaun und war beim Aufstieg aufs Hörnli ein wenig bockig. Wieder so ein fieser Anstieg, der jedoch zügig bewältigt war. Über Weiden (wo auch Gürkchen lernen musste, dass man sich von diesen Drähten besser fernhält) zogen wir Richtung Schnebelhorn und liefen prompt auf Christian und Holger auf. Die beiden klagten schon über labberige Oberschenkelmuskeln und Christian gestand, dass er der Trailrowdie war, der die Brille der Dame vorhin am Wegrand auf dem Gewissen hatte. Manche tun eben alles um die Konkurrenz auszustechen. Wir begleiteten die beiden ein Stück, nahmen uns dabei allerdings besonders vor Christian in Acht ;-) 
Am Aufstieg zum Schnebelhorn liefen wir den beiden am Berg davon. Wir hatten nämlich noch keine Wabbelmuskeln im Oberschenkel. Es wurde auch langsam Zeit für eine Pause. Die Idee selbige oben auf dem Berg zu machen, verwarfen wir recht bald wieder. Es war a) sehr voll und b) sehr windig. Den Abstieg schafften wir noch grad so und wurden unten mit einer schönen Sitzgruppe belohnt, die war fast zu groß um allein dort Pause zu machen und so gesellten sich noch ein Mann mit seinem Töchterchen und bald darauf auch Holger  und Christian dazu. Brunchen in großer Runde. Zwei Läufer mit Husky kamen in flotten Tempo vorbei gelaufen, die ersten, die wir seit dem Hörnli gesehen hatten. Nach einer ausgiebigen Stärkung und Holgers motivierenden Interpretationen der Karte (jetzt kommt gleich DER Mörderanstieg aber dann ist es quasi geschafft. ) Schade eigentlich. Wir waren noch super drauf und auch die Hunde machten noch einen sehr motivierten Eindruck. Am Berg holten wir das Trio von eben wieder ein. Der Aufstieg war echt super und forderte nochmal ordentlich. Am Ende entschieden wir uns dann auch noch für den kurzen, steilen Aufstieg zum Gipfel. Der folgte dem bereits bekannten Muster und das letzte Stück auf die Kuppe war ... steil. Am Gipfel Abklatschen und in lockerem Laufschritt wieder ins Tal. Beim Tösstaler Gipfelstürmer gab es tolle Laufstrecken zwischendrin. Allerdings hat Boscaille bergab inzwischen echt Probleme mit ihrer Hüfte und daher rannten wir nur auf weichem Boden, wo es niccht allzu steil war. Wir begegneten friedlichen und weniger friedlichen Kühen, dem Terrier Isolde (sollte ich mal einen Terrier haben wird der auch Isolde heißen!) und einer Schar Gänse. 
Der letzte Checkpoint erwartete uns nach einem letzten kleinen Anstieg auf einer Burgruine. Wir fanden ihn schnell und entlang der Töss ging es heim. Als wir ein kleines Video von der Flussüberquerung drehten, überholte und wieder das Team mit Husky - sie joggten die letzten Kilometer und wir höngten uns ran. Zusammen kamen wir nach 10 h und 45 min und 50 Kilometern wieder im Ziel an. Es folgte ein gemütlicher Abend mit Wein, Weib und Gesang bzw super Essen, spannenden und lustigen Storys vom Trail und der Siegerehrung für die Tour. Nach und nach trudelten die Langstrecken ein. Unsere Runde wurde kleiner. Jasmin schlief auf ihrem Stuhl ein und wurde von Martin ins Bett geschickt.  Irgendwann verlagerten wir unsere kleine Party in die Sanitärräume. Draußen war es ungemütlich geworden, es hatte zu regnen begonnen und es waren noch Leute unterwegs. 
Gegen halb zwei traf die letzte Dogtrekkerin ein. Ziemlich neben der Spur aber gesund und nee munter nicht. 

Sonntag - Siegerehrung und Gassi zum Tobel Wissenguber Höhle

Sonntag gabs erstmal fett Frühstück, für die Hunde die Reste vom Abendbrot. Es folgte die Siegerehrung. wir hatten den 2. Platz beim Hike belegt und einen 60 SFR Gutschein von tierundsport.ch gewonnen. Toll! Danke!

Wir packten unser Kram, holten uns noch einen Ausflugtip  von Jasmin und Martin und verabschiedeten uns von den beiden. Sie haben da ein genial organisiertes Event auf die Beine gestellt und wir freuen uns schon riesig auf das nächste Jahr! Danke für das rundum gelungene Wochenende :-)

Die Freakshowmädels Martina und Maria begleiteten uns noch auf unserer Gassirunde. Sie führte und zur Wissenguber Höhle in Gibsvil. Eine gigantische Höhle mit Wasserfall und mit dickem Stroh ausgelegt. Für die "erschöpften Hunde gab es kein Halten mehr. Leinen ab und hui. Maxl fegte kläffend zum Wasserfall. Emi, Fala, Gürkchen und Riis jagten sich durch den Tobel. Gürkchen fand in Riis ihren Endgegner. Nur Boscaille blieb an der Leine. Bei so viel Power ist sie schnell überfordert. Anschließend bestiegen wir noch den Bachtel inklusive Aussichtsturm. Die Aussicht war zwar nicht optimal aber es war ein schönes Treppentraining für die Hunde. Metallboden und eine enge Wendeltreppe. Vertrauensarbeit. 
Nach zwei Stunden waren wir wieder am Auto und machten uns auf den Heimweg.

 

Fazit: Schweiz! Aber Hallo, da fahren wir gern nochmal hin!

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